EDITORIAL

„Vernunft“ ist ein großer, ein tiefgehender und geschichtsträchtiger Begriff. Die Vernunft lässt an die Aufklärer des 18. Jahrhunderts denken. Etwa an Kant, der die Vernunft als oberstes Erkenntnisvermögen des Menschen und wesentliches Mittel der geistigen Reflexion erkannte. „Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!“, ermutigte er zu seiner Zeit. Heute – gut 230 Jahre später – erklären Philosophen wie Michael Hampe: Wir haben zu allem eine Meinung, aber keine Argumente. Ist die Zeit reif für eine neue Aufklärungsbewegung, für eine neue Vernunft?

Digitalisierung, Transformation, Globalisierung, Lokalisierung, Glokalisierung, Gewinnmaximierung, Customer Centricity, Agilität … In einer immer komplexer werdenden Welt neigen wir dazu, aktionistisch zu werden, und verlieren oftmals den Blick für das Wesentliche. In der Wirtschaft und insbesondere im Marketing, welches schon immer anfällig war, zu einem großen Durchlauferhitzer für Trends zu werden. Was ist heute vernünftig? Was stärkt ein Unternehmen oder eine Marke? Was ist notwendig, was nur „nice to have“? Was passt vielleicht zu anderen Unternehmen, aber nicht zum eigenen Business? Um diese Fragen beantworten zu können, braucht es Konzentration und Fokus. Und je angespannter die Lage um einen herum, desto wichtiger wird es, Entscheidungen mit Ruhe und Bedacht zu treffen.

Wir wollen uns in diesem Magazin anhand unterschiedlicher Schwerpunktthemen mit dem wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Wandel auseinandersetzen, zum Nachdenken und zum interdisziplinären Austausch anregen und für mehr (Selbst-)Bewusstsein in der Marken- und Unternehmensentwicklung werben. Wir richten uns damit an Unternehmer, Marketing-/Digital-Experten, Kommunikatoren, Personaler und alle, die sich für Transformation und die Auswirkungen auf Unternehmen und Menschen interessieren.

In der aktuellen Ausgabe liegt der Fokus auf den Themen Vernunft und Transformation. Wir haben uns mit der Frage beschäftigt, warum wir eigentlich nicht vernünftig genug sind, um Dinge gleich richtig zu machen, und wie Vernunft in der Transformation helfen kann. Wir sind zu dem Schluss gekommen, dass Vernunft vor allem zwei Dinge braucht: genügend Distanz, um das große Ganze zu sehen, sowie den Mut, sich auch mal Zeit zu nehmen und Entscheidungen reifen zu lassen. Was für die großen Denker unserer Vorzeit eine Selbstverständlichkeit war, ist in der heutigen Wirtschaftswelt oftmals verpönt.

Auf unserem Cover erblicken Sie daher nicht willkürlich ein Werk von Rohan Daniel Eason. Der britische Illustrator erstellt seine Tintenzeichnungen rein analog. Erst wenn sie fertig sind, werden sie digitalisiert. So verbindet nicht nur das Motiv als solches alte Tugenden mit neuen Möglichkeiten, sondern auch die Erstellung selbst. Eine Paarung, die wir für durchaus erfolgsversprechend halten.

Und jetzt seien Sie vernünftig: Lesen Sie weiter!

Ihre Kim Alexandra Notz

Titel
Den Wandel gestalten
Im Wandel leben
Inspiration zum Müssiggang