Von Janett Schwerdtfeger

Ich will kein

Mensch sein,

der Ausreden

findet

Im Gespräch mit Neven Subotic, Neven Subotic Stiftung

Wer Neven Subotić ist, meint jeder Fußballfan zu wissen: der Bundesliga-Star, der 2011 und 2012 als Innenverteidiger unter Trainer Jürgen Klopp zwei Deutsche Meisterschaften mit Borussia Dortmund holte. Doch der 31-Jährige, der inzwischen sehr erfolgreich beim Aufsteiger Union Berlin kickt, lebt kein Leben im üblichen Fußballer-Luxus.

Der 1988 im damaligen Kriegsgebiet Jugoslawien geborene Subotić musste als Kind mit seiner Familie nach Deutschland flüchten. Die Erinnerung an Krieg und Not sowie das Vorbild seiner Eltern prägten seinen Werdegang auf andere Weise als den vieler anderer Fußballstars: Im Jahr 2012 gründete er die Dortmunder Neven Subotic Stiftung. Die gemeinnützige Organisation baut Brunnen in Äthiopien und wurde dafür im Europäischen Parlament mit dem Silver Rose Award 2019 ausgezeichnet. Ein Gespräch über das Abbiegen auf alternative Lebenswege.

Das hier gekürzt und bearbeitet wiedergegebene Video-Interview führte Janett Schwerdtfeger.

Neven, warum hast du eine Stiftung gegründet, die in Afrika Brunnen bohrt?

Die Neven Subotic Stiftung gibt es seit acht Jahren, da war ich 23, und wir haben uns auf das Menschenrecht des Zugangs zu sauberem Wasser konzentriert. Sauberes Wasser ist eine Lebensgrundlage, die Sicherheit, Gesundheit und Bildung überhaupt erst möglich macht und so eine bessere Zukunft ermöglicht. Fakt ist leider, dass derzeit auf der Welt noch mehr Menschen keinen Zugang zu sauberem Wasser haben, als Europa Einwohner hat. Viele Millionen Menschen, vor allem Frauen und Kinder, müssen bei Temperaturen von 30 oder gar 40 Grand täglich kilometerweit zu Fuß gehen, um Wasser heranzuholen. Manchmal mehrmals täglich. Bei den Kindern führt das dazu, dass sie diese Zeit nicht für Bildung und Schulbesuch nutzen können. Sie möchten zur Schule gehen, aber sie müssen nun mal die Familie mit am Leben erhalten.

Für mich war es im Jahr 2012 schockierend zu sehen, dass wir vom Menschenrecht auf sauberes Wasser noch sehr weit entfernt sind. Das liegt auch daran, dass die betroffenen Länder kaum Steuereinnahmen haben, also die nötige Infrastruktur nicht aufbauen können. Da kommt einem gemeinnützigen Verein oder einer Stiftung wie unserer eine ganz bedeutende Rolle zu. Wir versuchen, sie aus diesem Teufelskreis herauszuholen und das Menschenrecht auf direkten Zugang zu sauberem Wasser zu realisieren – als Grundlage für eine bessere Zukunft.

Wieso war es dir immer schon so wichtig, dich sozial zu engagieren?

Meine Eltern haben mir vorgelebt, wie wichtig das ist. Als wir in Deutschland ankamen, waren wir Flüchtlinge, weil in unserem Herkunftsland Jugoslawien damals Krieg herrschte. Meine Eltern nahmen jeden Job an, um Geld zu verdienen, die Existenz unserer Familie zu sichern und möglichst viel Geld oder Waren nach Bosnien schicken zu können: Arzneimittel, Nahrungsmittel und so weiter. Diese Bilder sind für mich von frühester Kindheit an sehr präsent gewesen. Damit verbunden war eine krasse Arbeitsethik meiner Eltern, die mir vorlebten, dass man eigentlich niemals genug tun kann. Wenn Krieg herrscht, scheint jede Herausforderung viel größer, als ein Mensch es bewältigen kann. Aber für mich war es wichtig zu erkennen, dass jeder von uns wählen kann, was er beitragen will. So wurde ich von meinen Eltern geprägt.

Mit 17 – ich hatte inzwischen in Amerika gelebt – kam ich nach Deutschland zurück, um professionell Fußball zu spielen. Da war ich mein eigener Herr, oder besser gesagt, Teenager. Da begann die Selbstfindungsphase: Wer bin ich? Und was will ich mit meinem Geld als Fußballer tun? Diese Fragen wurden für mich sehr wichtig, aber zum Glück hatte ich durch meine Eltern schon einen Orientierungspunkt. Denn ich finde, es war absolut richtig, wie sie handelten. Ich mag keine Menschen, die sich für besser als andere halten oder Ausreden finden, warum sie etwas Notwendiges nicht tun sollten. Ich mag Menschen wie meine Eltern, die sich als Teil der Gesellschaft betrachten und dazu beitragen, dass es allen besser geht. Ich persönlich habe Hilfe von sehr vielen Menschen bekommen.

„Den Weg, den ich gegangen bin, gehen wohl die Wenigsten.“

Warst du mit dieser Haltung im Profifußball nicht ein krasser Außenseiter?

Ich möchte nichts Schlechtes über Fußballer sagen. Ich glaube schon, dass sich viele mit ähnlichen Gedanken beschäftigen. Aber sie erfahren auch enorm viel Druck von Vereinen und sogenannten Freunden, die sie eher auf eine andere Reise schicken wollen: dass die professionelle Leistung das alles Entscheidende ist. Da kommt man sehr schnell in einen Modus, wo man sich selbst erlebt wie in einem Hollywood-Film, in dem man selbst der Star ist und dann auch so leben muss: mit großem Haus und Swimmingpool und Urlaub in teuren Hotels und Klamotten nur von den angesagten Marken und so weiter. Das ist ein gefährliches System mit viel Druck.

Ich habe als Spieler gemerkt, dass die meisten Fußballer selbst damit kämpfen und dass einige sich noch immer in diesem Hamsterrad befinden: Wenn ich mehr Geld habe, geht es mir besser. Das ist zwar nicht die Wahrheit, aber sie schaffen es nicht raus aus dem Hamsterrad. Andere hingegen schaffen es, die wenigsten von vornherein, bei den meisten entwickelt sich das erst im Lauf der Zeit. Für einen Profifußballer ist es ja am Anfang erst einmal eine ganz neue Situation, auf einmal so viel Geld zu haben, das er gar nicht ausgeben kann. Und auf einmal hat er auch ganz viele Freunde, die bei ihm anklopfen. Bis diese erste Phase, dieser „Rush“, vorbei ist und der Alltag einkehrt. Dann beginnen die Leute nachzudenken. Aber den Weg, den ich gegangen bin, gehen wohl trotzdem die wenigsten.

Hast du dadurch eine innere Zufriedenheit erreicht, oder ist da immer noch eine Ruhelosigkeit?

Ich bin dieser Typ, der nie zufrieden ist mit dem, was er tut. Es muss immer alles noch besser werden, das führe ich auch auf meine Eltern zurück. Aber ich bin zu 100 Prozent überzeugt, mit der Stiftung auf dem richtigen Weg zu sein. Ich würde mit niemandem tauschen. Und ich würde auch kaum etwas daran ändern wollen, wie ich lebe, denn ich bin damit sehr glücklich. Manchmal, wenn ich auf den Tag zurückblicke, war etwas nervig, manchmal hat etwas Spaß gemacht, wie eben im normalen Alltag. Aber das, wofür ich meine Zeit, mein Geld und meine Gedanken investiert habe, war zu 100 Prozent richtig. Ich fahre ja auch selbst nach Äthiopien, wo unsere Projekte sind, damit ich weiß, welche Wirkung unsere Stiftungsarbeit hat. Und die andere Seite, das Leben als Berufsfußballer, das war auch von Kindheit an mein Traum. Dass ich mit diesem Hobby so viel Geld verdienen kann, das ist natürlich einerseits absurd, aber auch schön: Ich darf jeden Tag Fußball spielen, auf sehr hohem Niveau, mit Tausenden von Fans im Rücken an jedem Wochenende. Also auch diesen Traum habe ich mir erfüllt.

Den meisten Menschen ist gar nicht bewusst, wie viel Arbeit hinter einer solchen Stiftung steckt. Wie sieht eine typische Woche mit zwei ganz unterschiedlichen Jobs für dich aus?

Ich wache üblicherweise etwa um sieben Uhr auf, gehe zum Training, bin dann um 14 Uhr daheim. Dann beginnt für mich der Stiftungsalltag, bis in den Abend hinein. Und ich investiere auch eine Menge Zeit in meine Weiterbildung. Wenn ich mal frei habe vom Fußball, dann gibt mir das die Möglichkeit, auch mal größere Aufgaben im Stiftungskontext zu bearbeiten. Und am Wochenende ist halt Spieltag. Da ist man im Hotel, wo ich auch manche Arbeiten erledigen kann, solange ich mich nicht auf das Spiel fokussieren muss. Es sind also zwei ganz unterschiedliche Jobs, aber das Gute ist, dass sie sich gegenseitig ausbalancieren: der eine draußen, Herumturnen in kurzen Hosen; der andere vor dem Laptop sitzend, lesend und nachdenkend. Da muss ich sehr langfristige Prozesse verfolgen, während im Fußball alles innerhalb von Sekunden entschieden und umgesetzt werden muss – eine schöne Balance!

„Ich helfe, wie auch mir geholfen wurde. Das ist der Kreislauf des Lebens.“

Würdest du dich als altruistisch, also uneigennützig bezeichnen?

 

Jein. Ich muss gestehen, dass ich eine große Freude spüre, wenn es anderen Menschen gutgeht. Insofern ja, aber auch nein: Wenn ich nicht die Erfolge mitbekommen würde, dann fiele es mir auf jeden Fall schwerer, diese Arbeit zu tun. Weil ich aber weiß, dass andere Menschen davon profitieren, kann ich das mit dem Altruismus unterstreichen. Ich habe selbst enorm viel Unterstützung von anderen Menschen erfahren, so wie meine Familie auch. Deshalb weiß ich, wie wichtig solch ein Engagement ist, und wie wenig teilweise schon ausreicht. Ich sehe mich also als jemand, der hilft und dabei Freude erfährt. So wie auch mir geholfen wurde. Das ist eben der Kreislauf des Lebens.

Was bedeutet es dir, dass du ein sehr bekannter Fußballer bist?

Ich glaube, dass ich die Bedeutung unterschätze. Aber eines ist wunderschön: in Dortmund berühmt zu sein! Denn da habe ich viele Jahre gespielt und eine besondere Zeit verbracht. Das ist fast ein kleines „Lebenswerk“, gemeinsam mit den Fans. Als wir da zwei Meisterschaften hintereinander gefeiert haben mit 500.000 Menschen in der Stadt, was vorher niemand erwartet hat, da haben wir gemeinsam Dortmunder Geschichte geschrieben. Diese Verbindung zu den Fans immer noch zu haben, ist auch ein ganz großes Glück für mein Leben. Das habe ich jetzt zum zweiten Mal erlebt, als ich mit Union Berlin im Westfalenstadion gespielt habe: Nach dem Abpfiff haben mich 80.000 Fans der Mannschaft gefeiert, die diesmal mein Gegner war, die aber immer noch in meinem Herzen ist. Und das ist größer als sehr vieles andere auf der Welt. Da merkt man, welche Verbundenheit da noch ist, was man gemeinsam geschafft hat und wie zeitlos das ist.

Die Gehälter im Fußball sind ganz andere als im Rest der Welt. Für dich muss das doch grotesk wirken, denn deine Familie ist vermutlich mit sehr wenig Hab und Gut in Deutschland angekommen. Wie fühlt sich dieser Kontrast an?

Ich kann mich über vieles in der Welt des Fußballs gar nicht richtig unterhalten, weil es mir nichts bedeutet. Ich versuche nicht, immer das schickste Restaurant zu buchen oder das neueste Auto zu fahren. Das ist nicht meine Welt. Für Leute, denen solche Dinge wichtig sind, bin ich der falsche Ansprechpartner. Klar denke auch ich Tausend Mal am Tag über Fußball nach, aber über den Sport, nicht über den Lifestyle. Und wenn ich nach Hause komme, geht die Stiftungsarbeit los. Dann gehen alle meine Gedanken da hinein. Das hält mich gut fokussiert und schafft auch eine klare Trennung: So komme ich nicht in diesen Zwiespalt, zu versuchen, auf beide Arten zugleich zu leben.

„Viele haben Angst, von der Norm abzuweichen.“

Stößt du auch auf Menschen, die nicht nachvollziehen können, was für ein Leben du führst?

Solche Begegnungen sind für mich kein Problem, denn ich bin zu 100 Prozent überzeugt, dass ich selbst bestimme, wie mein Leben aussieht. Und dass ich auf dem richtigen Weg bin. Ich kann mir vorstellen, dass es für andere, die auch so einen Weg wählen wollen, problematischer ist. Denn es ist viel leichter, sich normgerecht zu verhalten. Also genau das zu tun, was die anderen auch tun, um auf der sicheren Seite zu sein. Das ist so, als wenn in einer Straße alle Häuser einheitlich gestrichen sind, und dann beschließt jemand, sein Haus stattdessen gelb anzumalen, weil er die Farbe mag. Der muss dann erstmal Mut aufbringen, weil die anderen sagen: „Wieso tanzt der jetzt aus der Reihe?“ Obwohl der ja keinem anderen damit schadet. Aber viele haben eben Angst, von der Norm abzuweichen. Ich merke das, wenn ich mich mit manchen Leuten im Fußball mal ein wenig tiefgründiger unterhalte, also nicht nur über Belangloses, sondern auch mal über den Sinn des Lebens: Was ist mir wichtig? Was findest du wichtig? Dann wird der Ton schnell leise und vorsichtig. Denn das sind Themen, die sonst im Fußballer-Alltag eher nicht so zur Sprache kommen.

Wenn du auf den Neven zurückschaust, der mit 17 aus den USA nach Deutschland zurückkehrte und sich fragte, was er mit seinem ersten selbstverdienten Geld als Profifußballer anfangen sollte – was hat den Jungen davon abgehalten, dem bloßen Luxusleben zu erliegen?

 

Ich habe am Anfang viel gefeiert und ein wildes Leben geführt. Aber was mich auf dem Boden gehalten hat, und das kann ich jedem meiner Kollegen empfehlen: Ich hatte immer einen Kreis von Freunden außerhalb des Fußballs, also in der normalen Welt, wo normale Menschen leben. Diese Kontakte habe ich gepflegt, um mich auch wirklich in die Gesellschaft zu integrieren und nicht nur in die Welt der „Elite“. So bekommt man erst eine Wertschätzung dafür, welchen Luxus man selber hat, das vergessen ja viele. Und ich würde ich auch jedem Fußballer raten, sich einfach mal dem Thema der gesellschaftlichen Probleme und der Hilfsprojekte zu widmen. Allein, dass man das mal vor Augen hat und sich in ein Kollektiv von Menschen begibt, die solche Arbeit jeden Tag tun, das lässt einen diese Dinge wertschätzen. Und ich glaube, das ist ganz wertvoll für das eigene Leben, denn da schließt man Freundschaften, man leistet einen Beitrag und man sieht, wie dieser Beitrag bei den Menschen ankommt. Bei Menschen, wie man selbst einer ist.

Hast du manchmal negative Gefühle gegenüber Leuten, die das so nicht leben oder es gar nicht verstehen?

Ich glaube, solche Gefühle versuche ich zu vermeiden, denn sonst würde ich ja den ganzen Tag frustriert herumlaufen. Dann würde ich als Klugscheißer die Leute belehren: Du musst dein Leben so und so leben! Ich mag aber keine Klugscheißer. Und ich mag auch Leute nicht, die sich selbst als wichtigste Person auf der Welt sehen. Mein Weg ist es, mir Leute zu suchen, die motiviert sind und mit denen ich arbeiten kann. Ich sehe es nicht als meinen Job an, Leute zu überzeugen, die sich nicht überzeugen lassen möchten. Das wäre ein zu hoher Aufwand. Ich suche Menschen, in denen schon so ein kleines Feuerchen brennt, das vielleicht noch kein klares Ziel hat. Aber sie wissen: Irgendetwas fehlt in ihrem Leben, und vielleicht ist genau dieses Engagement das Richtige für sie. Mit solchen Leuten setze ich mich sehr gerne hin und freue mich darauf, solche Menschen und ihre Gedanken tiefer kennenzulernen. Ihnen zeige ich gerne meinen Weg als einen von vielen, die man gehen kann. Und ich schaue, wie ich solche Menschen mit meinem Netzwerk unterstützen kann, den nächsten Schritt zu tun.

„Was ist denn ‚katastrophal‘? Wenn wir im Fußball ein Gegentor bekommen?“

Wie soll es in deinem Leben weitergehen, vielleicht auch nach der Zeit als Fußballer?

Sicher wird es ein Leben nach dem Fußball geben. Wann, das weiß ich noch nicht. Mein Körper ist noch gesund, ich kann noch spielen, und das will ich auch tun. Aber an dem Tag, wo es keinen Fußball mehr gibt, öffnen sich ganz viele Türen im Stiftungsbereich. Das ist ein direkter Übergang. Ich mache ja jetzt schon tagtäglich Stiftungsarbeit, und nach dem Fußball werde ich umso mehr Zeit haben, um zum Beispiel Konferenzen zu besuchen, die ich momentan nicht wahrnehmen kann, weil ich an den Fußballkalender gebunden bin. Oder ich kann dann längere Projekte vor Ort begleiten. Die Vorstellung ist also für mich keineswegs mit Frust verbunden, mehr mit großer Vorfreude auf die neuen Möglichkeiten. Aber vorerst macht auch der Fußball weiter enorm viel Spaß. Deshalb glaube ich nicht, dass dieser Zeitpunkt schon in den nächsten ein, zwei Jahren kommt.

Zweifelst du manchmal an dem, was du tust, oder kennst du gar keine Selbstzweifel?

Neven Subotic trink aus einem Brunnen

Ich habe Zweifel wie jeder andere Mensch, wenn Sachen nicht gut laufen. Ich glaube, solche Zweifel sind ganz normal. Ich bin von Natur aus enorm selbstkritisch. Aber ich versuche, mir selbst zu sagen: He, selbst wenn du einen Fehler gemacht hast, werden die Folgen schon nicht so gravierend sein, dass es katastrophal ausgeht. Was ist denn „katastrophal“? Wenn wir im Fußball ein Gegentor bekommen? Selbst da kommt man immer wieder zurück. Man macht einen Fehler, man ist sauer, man trauert ein bisschen. Und dann ziehe ich da die Motivation draus, noch härter zu arbeiten. Ich versuche das also nicht als Katastrophe einzustufen, sondern als Problem, an dem ich arbeiten kann. Im Stiftungskontext, wo es um wichtige Inhalte geht, bedeutet ein Fehler beim Betrieb eines Brunnens, dass zum Beispiel 400 Leute mal einen Tag lang kein Wasser bekommen. Aber bevor es den Brunnen gab, war da überhaupt kein Zugang zu sauberem Wasser. Unsere Motivation ist es also, uns nicht auf diesen einmaligen Störfall zu fixieren, sondern das System als Ganzes für alle Menschen zu verbessern. Das hilft mir, schnell wieder nach vorn zu schauen, statt mich für das einmalige Problem mit dem Brunnen zu geißeln.

Jemand hat mir mal gesagt: Wir wollen uns immer nur nach unseren Erfolgen definieren, aber wenn es mal nicht läuft, dann sind die anderen schuld. Und ich habe für mich die Erkenntnis gewonnen: Nein, gerade im Misserfolg bist du der Verantwortliche, der entscheiden muss, wie du in dieser Situation jetzt handelst. Auch im Stiftungskontext lernt man oft Menschen kennen, die Ausreden finden. Und ich will nicht so ein Mensch sein. Wir selbst entscheiden, wer wir sein möchten.

Neven, herzlichen Dank für deine Zeit und das Teilen deiner Ansichten.