Von Lars-Thorben Niggehoff

Falsche Führungsqualitäten

Photo by Alex Iby on Unsplash

Sie sickert wie ein unsichtbares Gift in die Unternehmenskultur, zerstört den Diskurs und gefährdet den wirtschaftlichen Erfolg. Gleichzeitig haben die wenigsten Menschen bisher ihren düster-geheimnisvollen Namen gehört: die dunkle Triade. Dahinter verbirgt sich keine zwielichtige Verbrecherorganisation, die Einfluss in der Wirtschaft gewinnen will, sondern ein psychologisches Phänomen, mit dem sich Experten zunehmend auseinandersetzen.

Die dunkle Triade, manchmal auch dunkler Dreiklang genannt, umfasst drei ganz konkrete Persönlichkeitsmerkmale: den Narzissmus, den Machiavellismus und die Psychopathie. Kaum eine Firma will Menschen mit diesen Merkmalen aufnehmen, sie gelten schnell als Außenseiter, als solche, die das Betriebsklima nachhaltig stören und im schlimmsten Fall ernsthaften Schaden anrichten.

Photo by Alex Iby on Unsplash

Als Triade bezeichnen Psychologen diese drei Eigenschaften, da sie oft gemeinsam auftreten und es gewisse Überschneidungen gibt. „Menschen, die eine dieser Eigenschaften haben, begegnen uns nicht auf der Erwachsenenebene, betrachten uns nicht als gleichwertig“, sagt Katharina Chicherio. Sie ist Geschäftsführerin des Celo Coaching Instituts in der Schweiz und hilft Unternehmen dabei, mit solchen Angestellten umzugehen. „Eine normale soziale Interaktion ist mit solchen Menschen nicht möglich“, erklärt sie.

Wenn Mitarbeiter rücksichtslos und egoistisch sind, kann das den Erfolg einer Firma nachhaltig gefährden.

Für Psychopathen sind Menschen Objekte

Grund hierfür ist, dass diejenigen, die eines dieser Merkmale aufweisen, ihre Mitmenschen grundlegend anders wahrnehmen als „normale“ Persönlichkeiten. „Wir durchlaufen in unserer Jugend normalerweise eine Entwicklung, an deren Ende wir anderen mit der Annahme gegenübertreten: Ich bin gut und du bist auch gut“, sagt Chicherio. Bei der dunklen Triade ist das anders. Narzissten sehen andere Menschen nur als Vehikel, um sich bewundern zu lassen. Machiavellisten leben nach dem Motto „Der Zweck heiligt die Mittel“. Sie bewerten andere primär danach, ob sie nützlich beim Erreichen der eigenen Ziele sein können. Und Psychopathen betrachten ihre Gegenüber oft als Objekte. Außerdem haben sie keine Angst vor den Konsequenzen ihres Handelns – im Gegensatz zu den anderen beiden Typen aus der Triade. Für die Unternehmenskultur können alle diese Sichtweisen tödlich sein.

Das beschränkt sich nicht auf eine Branche. Zwar sind besonders prestigeträchtige und gut bezahlte Jobs, etwa im Finanzsektor und der Unternehmensberatung, bei den Persönlichkeitstypen der dunklen Triade beliebt. Doch auch Sektoren wie Sozialarbeit ziehen zum Beispiel viele Narzissten an. Der Grund: das Abhängigkeitsverhältnis, in dem zum Beispiel Kranke von Pflegekräften stehen.

„Im Ansatz tragen wir diese Eigenschaften alle in uns“

Im Ansatz tragen wir diese Eigenschaften alle in uns, sagt Kai Externbrink. Der Wirtschaftspsychologe ist Professor an der FOM Hochschule für Oekonomie und Management. Dort forscht er auch zur Bedeutung der dunklen Triade in Unternehmen. „Vereinfacht kann man sich diese Eigenschaften wie den Regler eines Mischpultes vorstellen“, erklärt er. „Bei manchen ist der mehr, bei anderen weniger weit aufgedreht.“ Eine moderate Ausprägung kann sogar erfolgversprechend sein. So sollten gute Manager nach Möglichkeit rational und kühl handeln – wie man es auch Psychopathen nachsagt. Auch ein Talent zur Selbstdarstellung und Charisma könne per se nicht schaden, schließlich müsse die Führungskraft das Unternehmen nach außen vertreten. Nach Ansicht vieler Psychologen kann man die Auswirkungen der dunklen Triade als Kurve darstellen: Ganz wenig und ganz viel sind sehr schlecht, alles dazwischen kann aber durchaus von Vorteil sein.

Der attraktivste Finsterling: James Bond

Vielerorts gibt es immer noch die Wahrnehmung, dass Psychopathen, Narzissten und Machiavellisten in der Berufswelt größeren Erfolg haben. Niemand symbolisiert diese Verknüpfung so wie James Bond, der vom Briten Ian Fleming ersonnene Geheimagent. Der amerikanische Psychologe Peter Jonason analysierte einmal in einer Studie, inwieweit die dunkle Triade auf Bond anwendbar sei. Sein Fazit: Der charmante Spion sei ein Narzisst, der sich über teure Autos, Uhren und Anzüge definiere. Er sei ein Machiavellist, der Freund und Feind gleichermaßen im Sinne seiner eigenen Ziele einsetze. Und er sei ein lupenreiner Psychopath, der seine „Lizenz zum Töten“ ausgesprochen großzügig einsetze, ohne Reue zu zeigen.

Trotz dieser eigentlich abstoßenden Charakterzüge würden die meisten Menschen mit der fiktiven Figur Bond – aber auch mit ähnlichen Typen im echten Leben – Erfolg verbinden. Externbrink erklärt: „Solche Menschen zeigen sich auf den ersten Blick oft sehr charmant und gewinnend, weswegen sie schnell aufsteigen. Das Problem: Einmal in Führungspositionen angekommen, erweisen sie sich dann meist als vollkommen ungeeignet.“ Ein Machiavellist etwa, der ständig seine Mitarbeiter manipuliere, vergifte langfristig das Betriebsklima.

Warum aber prüfen Unternehmen dann nicht besser, wen sie da eigentlich einstellen? Oftmals seien genau diese Bewerber Blender, meint der Wirtschaftspsychologe. Das mache die Identifizierung nicht einfach. „Und die Eignungsdiagnostik ist in vielen Unternehmen leider immer noch unzureichend.“ Die meisten Personalentscheidungen nämlich würden immer noch auf Basis unstrukturierter Vorstellungsgespräche getroffen, während „valide Persönlichkeitsfragebögen“, so Externbrink, „deutlich wirksamer sein können.“ Allerdings warnt er vor zwielichtigen Anbietern, die zum Beispiel „Typentests“ anbieten: „Das ist unseriös.“ Online kursieren viele Fragebögen, die versprechen, in wenigen Minuten festzustellen, ob jemand die dunkle Triade in sich trägt. Inwieweit diese wissenschaftlich fundamentiert sind, lässt sich meist nicht überprüfen.

Zwar gibt es klinische Verfahren, um die Ausprägungen der dunklen Triade zu diagnostizieren. Allerdings werden Narzissmus, Machiavellismus und Psychopathie in Unternehmen schon im subklinischen Bereich zum Problem, also bevor sie aus ärztlicher Sicht als Krankheit gelten. Entsprechend eignen sich die klinischen Verfahren nicht zum Einsatz im beruflichen Kontext – ganz davon abgesehen, dass es Personalern gar nicht erlaubt wäre, medizinische Diagnosen abzugeben.

Flache Hierarchien schrecken Problemfälle ab

Katharina Chicherio vom Celo Coaching Institut sieht das Problem nicht nur im Einstellungsverfahren. Ihrer Meinung nach sind es gerade auch die klassisch hierarchischen Strukturen, die den Aufstieg von Narzissten, Psychopathen und Machiavellisten in Unternehmen begünstigen. Wo es flache Hierarchien und weniger autokratische Unternehmenschefs gebe, hätten sie weniger Entfaltungschancen. „Außerdem sind Führungspositionen mit weniger Macht und Außenwirkung für solche Leute weniger attraktiv“, meint Chicherio.

Wenn ein Mensch mit Eigenschaften aus der dunklen Triade im Unternehmen unangenehm auffalle, könne man versuchen, im Gespräch an ihn heranzukommen. In letzter Konsequenz müsse man ihn aber in den meisten Fällen entlassen, sagt sie. Gerade in Führungspositionen sei das notwendig, denn: „Ethisches Handeln ist eine wichtige Säule unternehmerischen Erfolges.“ Verstöße dagegen flögen am Ende immer auf – und schadeten dem Unternehmen am allermeisten.

Chicherio, selbst als Coach viel in Unternehmen unterwegs, kennt die Probleme, die sich im Umgang mit schwierigen Mitarbeitern ergeben. „Ich mache diesen Leuten stets mehrere Angebote, damit sie sich mit mir auf Augenhöhe auseinandersetzen. Wenn sie die nicht annehmen, gehe ich aber auch zum nächsten Gesprächspartner über“, erklärt sie. Als Coach dürfe man Menschen mit Merkmalen der dunklen Triade niemals rechthaberisch begegnen, „sonst verlässt man selbst die Erwachsenenebene und dann erreicht man gar nichts“.

Wenn Führungskräfte sich als beratungsresistent erweisen, kann es oft auf die Mitarbeiter ankommen. Mark van Vugt, Evolutionspsychologe aus Amsterdam, und Anjana Ahuja, eine britische Wissenschaftlerin, verweisen dabei in ihrem Buch „Naturally Selected: The Evolutionary Science of Leadership – Why Some People Lead, Why Others Follow and Why It Matters“ auf die Selbstheilungskräfte von Organisationen. Offensichtlich ungeeignete Führungskräfte seien oft Klatsch und Tratsch ausgesetzt, manchmal sogar offenem Spott.

Wenn aber nicht einmal soziale Isolation die Vergifter der Unternehmenskultur in die Flucht schlage, bleibe immer noch eine letzte Möglichkeit: die offene Meuterei.

Flache Hierarchien schrecken Problemfälle ab

Katharina Chicherio vom Celo Coaching Institut sieht das Problem nicht nur im Einstellungsverfahren. Ihrer Meinung nach sind es gerade auch die klassisch hierarchischen Strukturen, die den Aufstieg von Narzissten, Psychopathen und Machiavellisten in Unternehmen begünstigen. Wo es flache Hierarchien und weniger autokratische Unternehmenschefs gebe, hätten sie weniger Entfaltungschancen. „Außerdem sind Führungspositionen mit weniger Macht und Außenwirkung für solche Leute weniger attraktiv“, meint Chicherio.

Wenn ein Mensch mit Eigenschaften aus der dunklen Triade im Unternehmen unangenehm auffalle, könne man versuchen, im Gespräch an ihn heranzukommen. In letzter Konsequenz müsse man ihn aber in den meisten Fällen entlassen, sagt sie. Gerade in Führungspositionen sei das notwendig, denn: „Ethisches Handeln ist eine wichtige Säule unternehmerischen Erfolges.“ Verstöße dagegen flögen am Ende immer auf – und schadeten dem Unternehmen am allermeisten.

Chicherio, selbst als Coach viel in Unternehmen unterwegs, kennt die Probleme, die sich im Umgang mit schwierigen Mitarbeitern ergeben. „Ich mache diesen Leuten stets mehrere Angebote, damit sie sich mit mir auf Augenhöhe auseinandersetzen. Wenn sie die nicht annehmen, gehe ich aber auch zum nächsten Gesprächspartner über“, erklärt sie. Als Coach dürfe man Menschen mit Merkmalen der dunklen Triade niemals rechthaberisch begegnen, „sonst verlässt man selbst die Erwachsenenebene und dann erreicht man gar nichts“.

Wenn Führungskräfte sich als beratungsresistent erweisen, kann es oft auf die Mitarbeiter ankommen. Mark van Vugt, Evolutionspsychologe aus Amsterdam, und Anjana Ahuja, eine britische Wissenschaftlerin, verweisen dabei in ihrem Buch „Naturally Selected: The Evolutionary Science of Leadership – Why Some People Lead, Why Others Follow and Why It Matters“ auf die Selbstheilungskräfte von Organisationen. Offensichtlich ungeeignete Führungskräfte seien oft Klatsch und Tratsch ausgesetzt, manchmal sogar offenem Spott.