Von Janett Schwerdtfeger
Wie bewusste
Kommunikation
und Teilhabe

zu positiver Transformation führen

Wie bewusste
Kommunikation
und Teilhabe
zu positiver Transformation führen
Im Gespräch mit Johannes Rath von SIGNAL IDUNA
Wir haben Johannes Rath in Dortmund getroffen und mit ihm über die Digitalisierung in der Versicherungswelt und daraus entstehende Transformationsprozesse gesprochen. Als Chief Digital Officer arbeitet er auf Hochtouren daran, die SIGNAL IDUNA fit für die Zukunft zu machen. Er selbst versteht sich dabei als Mediator zwischen der Kultur eines Konzerns und dem Mindset von Start-ups.

Herr Rath, wir stehen hier an einem Hochtisch in der Open Box. Wo sind wir hier? Und warum dieser Tisch?

Die Open Box ist ein Raum für kreative, agile Zusammenarbeit, den wir in unserer Hauptverwaltung in Dortmund aufgebaut haben. An unserem Standort in Hamburg wird zur Zeit ebenfalls eine Open Box gebaut, die schon von den Erfahrungen in Dortmund profitiert. Das Konzept für neue Arbeitsräume entstammt aber unseren signals Open Studios in Berlin – dort haben wir einen modularen Workshop-Raum eingerichtet, der als Vorbild für die Open Boxes dient. Dort wurden auch die – inzwischen recht bekannten – Design-Thinking-Hochtische von System 180 zum ersten Mal von uns genutzt. An einem solchen Tisch stehen wir auch jetzt.

Warum ein Hochtisch?

Weil wir hier gemeinsam stehen können. Das ist immer interaktiver, als zu sitzen. Wir bewegen uns im Raum, sprechen offener. Mittlerweile findet ein Teil unserer Vorstandssitzung sogar in der Open Box an Hochtischen statt – das sorgt dafür, dass Themen weniger in die Länge gezogen werden. Man kommt schneller zum Punkt und die Diskussionen sind lebendiger.

Sie sind der erste CDO bei der
SIGNAL IDUNA, haben eine eigene Marke innerhalb des Unternehmens gegründet und einen Digital Hub in Berlin eröffnet. Sie leben und arbeiten abwechselnd in Berlin und Dortmund. Wie sieht Ihr Alltag aus?

Unsere Aktivitäten in Berlin mit der Marke signals, den signals Open Studios als Ort der crossindustriellen Begegnung und signals Venture Capital, unserem Risikokapital-Fonds, sind Teil meiner Aufgabe als CDO und Teil der Gesamtstrategie der SIGNAL IDUNA. Während ich natürlich viele Aufgaben in unserem Kerngeschäft habe, kümmern sich die Kolleginnen und Kollegen von signals mehr um neue Geschäftsmodelle und interessante Partnerschaften für das Unternehmen. Spannend wird es, wenn die Vernetzung im Haus beginnt und daraus neue Lösungen und Produkte entstehen.

Ich selbst arbeite überwiegend an unseren beiden Hauptverwaltungsstandorten in Dortmund und Hamburg, weil die Entwicklung unserer neuen Strategie „VISION2023“ und die digitale Beschleunigung unseres Kerngeschäftes viel Aufmerksamkeit erfordern. Berlin und die neuen Geschäftsmodelle nehmen meist rund ein Viertel meiner Arbeitszeit in Anspruch – mal mehr, mal weniger.

Als CDO ist es Ihre Kernaufgabe, die Digitalisierung bei SIGNAL IDUNA voranzutreiben. Was bedeutet die Digitalisierung für die Versicherungsbranche?

Die Digitalisierung ist eine logische Konsequenz aus der Frage nach aktuellen und zukünftigen Kundenbedürfnissen. Ich sehe, dass an vielen Stellen in unserer Branche Schritte in die richtige Richtung gemacht werden, indem die Bedürfnisse der Kunden wieder mehr in den Fokus rücken. Die Zeiten von „wir wissen, was unser Kunde will“ sind, auch in der Versicherungswirtschaft, vorbei.

Außerdem ist die Digitalisierung für uns auch ein wichtiges Mittel, um unser übergeordnetes Ziel, das Schaffen von mehr Lebensqualität für unsere Kunden, zu erreichen. Wir arbeiten an Lösungen, die es Kunden einfacher machen, unsere Dienstleistungen in Anspruch zu nehmen. Dazu entwickeln wir auch zusätzliche Services, die über das reine Versicherungsprodukt hinausgehen.

Wie begegnet die SIGNAL IDUNA der Digitalisierung? Welche Maßnahmen haben Sie eingeleitet, um den Transformationsprozess in einem Traditionsunternehmen wie der Signal Iduna voranzubringen?

Mit unserer Strategie „VISION2023“ haben wir die Rahmenbedingungen und Ambitionen geschaffen, die wir in den kommenden Jahren brauchen, um uns erfolgreich zu transformieren. Aber wir wissen auch, dass Transformation bei jedem Mitarbeiter und jeder Mitarbeiterin beginnt. Deshalb ist uns das Thema Unternehmenskultur sehr wichtig. Unser Leitsatz zeigt das besonders gut: Wir wollen gemeinsam mehr Lebensqualität schaffen.

Wichtige Maßnahmen sind unsere Zielgruppen- und Service-Journeys, die wir Anfang 2018 gestartet haben. In interdisziplinären Teams arbeiten wir in den Journeys ein halbes Jahr, losgelöst von den Aufgaben in der Linie, an neuen Lösungen für unsere Zielgruppen oder an der Verbesserung von vorhandenen Prozessen, mit denen wir das Kundenerlebnis verbessern können.

Sie haben vor Ihrer Tätigkeit als CDO im Bereich Human Resources innerhalb des Konzerns gearbeitet. Wie reagieren Mitarbeitende im Unternehmen auf die Transformation?

Transformation findet bei jedem Einzelnen statt. Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind unser wichtigstes Gut, wenn es darum geht, die SIGNAL IDUNA in eine erfolgreiche Zukunft zu führen. Viele Mitarbeiter sind sich ihrer Verantwortung bewusst und bringen sich, an unterschiedlichsten Stellen, in den Veränderungsprozess mit ein.

Transformationsprozesse verlaufen ja in der Regel nicht geräuschlos. Welchen Herausforderungen sind Sie bislang intern begegnet? Was haben Sie gelernt, das auch für andere Unternehmen interessant sein kann?

Erstens: Kommunikation ist in einem Veränderungsprozess einer der wichtigsten Faktoren. Dabei ist nicht mehr immer besser – es geht darum, die richtigen Botschaften zur richtigen Zeit zu teilen.

Zweitens: Wir haben die Entwicklung und Umsetzung der VISION2023 zeitgleich top-down und bottom-up gestartet – auch das zahlt sich jetzt aus. Je mehr Menschen mit der Entwicklung der Ideen zu tun hatten, desto mehr „Buy-in“ hat man nachher.

Auf einer Skala von 1 bis 10, wobei 1 für einen eher analogen Lifestyle und 10 für einen eher digitalen Lifestyle steht: Wie digital sind Sie eigentlich privat unterwegs?

Ich würde mir wahrscheinlich eine 7–8 geben, außer wenn ich Urlaub mache. Da versuche ich möglichst nah an die 1 zu kommen, was mir aber nicht immer gelingt.

Herr Rath, vielen Dank für das Gespräch.