Von Victoria Hilpert und Daria Stratmann
Wie
Digital
lebst und
arbeitest du?
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arbeitest Du?
Im Gespräch mit Georgios Gouziotis, Restaurant „Mezzo Mezzo Am Zollverein“
Georgios Gouziotis, 31, schloss nach dem Abitur eine Ausbildung zum Koch ab und eröffnete im August 2016 das Restaurant „Mezzo Mezzo Am Zollverein“, nachdem er 10 Jahre im elterlichen Betrieb in der Essener Innenstadt gearbeitet hatte. Trotz vieler Touristengruppen schätzt Georgios besonders seine Stammkundschaft aus Bewohnern des Umkreises und Angestellten der umliegenden Betriebe: „Diese Kunden kommen dreimal in der Woche statt nur einmal im Jahr.“

Dieser Aspekt der Digitalisierung beeinflusst meine Arbeit am meisten:

Bewertungen im Internet haben einen extremen Einfluss. Sehr viele Kunden nutzen Bewertungsportale und man muss schon darauf achten, dass man da richtig mit umgeht. Schließlich leben wir in der Gastronomie von unserem guten Ruf. Deshalb bin ich da auch hinterher und checke das jeden Tag. Wie wurden wir bewertet? Wo können wir uns verbessern? Außerdem wird das Essen fotografiert und das Bild landet direkt im Internet – das kommt bei jedem zweiten Tisch vor. Das bedeutet für uns: Willst du erfolgreich sein, muss dein Essen trendiger aussehen, schön angemacht sein, damit die Leute es fotografieren und verbreiten.

Das könnte die Digitalisierung für mich bereithalten:

Ich wünsche mir die Möglichkeit, dass meine ganzen Angebote, ohne dass ich etwas tun muss, online gehen. Also dass die Angebote, sobald man sie auf die Tafel schreibt, automatisch auch online präsentiert werden, ohne eine Person dazwischen. So würden zum Beispiel die Mittagsgerichte nicht nur an der Tafel stehen, sondern direkt auch bei den Stammkunden landen, ohne dass wir dafür etwas tun müssen.

Das geht meiner Meinung nach durch die Digitalisierung verloren:

Wenn ich beispielsweise Tablets an den Tischen für die Bestellung benutzen würde. Da ginge der persönliche Kontakt verloren. Man sieht da aber auch eine Entwicklung: Vapiano hat als große Kette extreme Probleme. Ich sehe das so: Wenn ich essen gehe, möchte ich bedient werden. Die Leute wollen wissen, wer ist der Chef dahinter, wer kümmert sich, wenn etwas schiefläuft, wer bekommt das Lob ab? Uns ist jeder Gast wichtig und das wollen wir ihm auch persönlich zeigen.

So digital bin ich privat:

Also ich muss sagen, ich persönlich bin total außen vor. Ich nutze eigentlich nur WhatsApp, damit ich für jeden Kunden erreichbar bin. Das heißt, meine WhatsApp-Nachrichten sind jetzt wesentlich mehr geworden, aber ich persönlich nutze das kaum.

Ich poste auch nicht, wo ich bin oder was ich mache. Meine Frau postet schon das ein oder andere und im Familienkreis wird das auch gemacht. Ich finde das auch nicht schlimm, aber das ist halt nicht meins. Deshalb verstehe ich auch nicht, wieso das Essen fotografiert wird. Wenn ich essen gehe, dann möchte ich das mit niemand anderem teilen, außer mit dem engsten Kreis oder dem, mit dem ich essen bin.

Aber das liegt vielleicht daran, dass in meiner Generation Handys erst aufgekommen sind. Ich erinnere mich noch an das erste Fotohandy. Wenn du damit dann auch noch Musik abgespielt oder etwas runtergeladen hast, warst du der King damals.

Das möchte ich den Menschen mit auf den Weg geben:

Ich möchte den Menschen mitteilen, dass sie ihre Handys weglegen sollen, wenn sie miteinander essen gehen. Ich finde, es ist eine Katastrophe, wenn man sich beim Essen nicht mehr in die Augen schaut, sondern nur auf das Handy. Essen gehen sollte Gemeinschaft bedeuten, das Essen und den Moment zu teilen und nicht auf das Handy zu schauen – das kann man auch zu Hause machen.

Georgios, vielen Dank für das Gespräch.