Von Victoria Hilpert
Was
heute
Arbeitgeber

attraktiv macht

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Arbeitgeber
attraktiv macht
Im Gespräch mit Andreas Prenneis
von der Adesso AG
Wir haben Andreas Prenneis in Dortmund getroffen, um einen Einblick in die Welt der künstlichen Intelligenz zu erhalten. Das fußballbegeisterte Vorstandsmitglied beim führenden deutschsprachigen KI-Dienstleister adesso AG begleitet Unternehmen in der digitalen Transformation. Mit innovativen Konzepten treibt er dabei auch das Wachstum seiner eigenen Mannschaft voran.

Hallo, Andreas. Vielen Dank, dass Du Dir für uns Zeit genommen hast. Wo sind wir hier genau – und warum ausgerechnet dieser Tisch?

Wir sind hier im Raum Jacobson in der Dortmunder Geschäftsstelle von adesso. Hier sind alle Besprechungsräume nach Architekten benannt. Und wir sitzen genau in diesem Raum bzw. am einzigen Tisch in diesem Raum, weil der bei der Vereinbarung unseres Termins für uns reserviert wurde.

Ihr seid führender KI-Dienstleister in Deutschland mit zahlreichen Tochterunternehmen. In welchen Branchen seid Ihr tätig?

Tatsächlich ist der Fokus auf bestimmte Branchen für uns sehr wichtig. Als IT-Dienstleister definieren wir uns nicht nur über unsere Technologie- und Methodenkompetenz, sondern wollen uns darüber hinaus parkettsicher in der Domäne unseres Kunden bewegen. Wir wollen verstehen, worum es in diesen Branchen geht. Wer sind die Player? Vor welchen Herausforderungen stehen sie? Mit welchen Strategien begegnen sie diesen Herausforderungen? Und: Welche Unternehmenskultur typisch für eine Branche ist, spielt dabei auch eine tragende Rolle. Egal ob, ich in Java entwickle oder als IT-Consultant arbeite – ich habe mit den Menschen vor Ort zu tun. Da macht es einen Unterschied, ob ich mit jemanden aus einer Bank zusammenarbeite oder mit Menschen aus dem Einzelhandel.

In diesem Sinne haben wir im Laufe der Jahre Branchenexpertise zum Beispiel im Bereich Banken und Versicherungen, dem Gesundheitswesen, im öffentlichen Sektor, im Automotive-Bereich und in der produzierenden Industrie aufgebaut. In unserem Geschäftsbereich Cross Industries entwickeln wir darüber hinaus weitere Kernbranchen für unser Geschäft.

Ich merke schon, im Gegensatz zur Standard-Software verkauft Ihr keine One-fits-all-Lösungen.

Stimmt. Wir decken zwar das komplette Spektrum von IT-Dienstleistungen ab. Schwerpunkt unserer Aktivitäten ist allerdings die Entwicklung von Individual-Software und die Anpassung von Standard-Software an die Anforderungen unserer Kunden. Insofern ist One-fits-all nicht unser Thema.

Was bedeuten in diesem Zusammenhang die Mitarbeiter?

Die sind adesso. Ohne Mitarbeiter gibt es keine Dienstleistung. In unseren Projekten können wir nur mit Menschen erfolgreich sein, die motiviert mit dem richtigen Mix aus technologischer Expertise und Branchen-Know-how mitwirken. Deshalb strengen wir uns an, ein optimales Umfeld für unsere Mitarbeiter zu schaffen. Wir investieren nicht nur in Employer Branding, sondern vor allem in eine Unternehmenskultur, die von Wertschätzung und Transparenz geprägt ist.

Wie wir alle wissen, ist der Fachkräftemangel insbesondere in der IT sehr hoch. Was tut Ihr, um für Mitarbeiter attraktiv zu werden und diese auch zu halten?

Das erreicht man natürlich nicht mit einzelnen, isolierten Maßnahmen. Entscheidend ist wie gesagt die entsprechende Kultur und darüber hinaus ein Mix Strukturen und Aktivitäten, die diese Kultur umsetzen.

Dazu gehören vor allem die Führungskräfte und ein Personalbereich, der nicht nur Personal verwaltet. Vielmehr begleiten wir unsere Mitarbeiter von Ihrem Start bei adesso an durch das Tagesgeschäft bis in die ein oder andere Aktivität nach Feierabend.
So gibt es bei uns beispielsweise jeweils zu Anfang des Monats die Welcome Days für neue Mitarbeiter. Wir machen sie an diesen beiden Tagen mit allem vertraut, was bei adesso wichtig ist und geben ihnen ihr Equipment in die Hand. Vom Notebook über das Handy bis zu den Visitenkarten. So, dass sie direkt loslegen können. Dafür braucht man neben Organisation natürlich auch erfahrene Mitarbeiter, die neben ihrem Tagesgeschäft Verantwortung als Paten für neue Kollegen übernehmen.

Und natürlich investieren wir in die Aus- und Weiterbildung unserer Mitarbeiter: Wir haben einen umfangreichen Schulungskatalog, der neben Fachthemen auch die Soft Skills unserer Mitarbeiter adressiert.

Also kein Obstkorb und Home-Office?

Obstkorb – klar, vernünftige Verpflegung gehört – wie du ja hier siehst – bei uns dazu.

Home-Office allerdings nicht. Wir vertreten die Auffassung, dass wir – gerade im Projektkontext – regelmäßig gemeinsam arbeiten müssen. Im Projekt geht es ganz wesentlich um Kommunikation. Und die funktioniert nach unserer Überzeugung am besten live und direkt.

Dazu müssen wir uns tatsächlich auch immer mal wieder der Kritik aus der Mannschaft stellen. Auch das gehört zur adesso: Unabhängig von Hierarchie müssen wir unseren Standpunkt ordentlich argumentieren.

Apropos Mannschaft: Ich habe von Eurem Fußball-Projekt gehört. Möchtest Du uns darüber vielleicht etwas erzählen?

Da ist bestimmt soccerwatch gemeint. Das ist ein Start-up, an dem wir beteiligt sind. socccerwatch digitalisiert den Amateur-Fußball und macht ihn damit live sichtbar. Dazu hat das Team von soccerwatch Kameras entwickelt, die an Flutlichtmasten von Fußballplätzen befestigt werden. Die schalten sich bei Spielbeginn automatisch ein und streamen ein 180-Grad-Bild des kompletten Fußballplatzes in die Cloud. Eine KI in der Cloud übernimmt es dann, gewissermaßen als Kameramann, mit entsprechenden Zooms und Schwenks innerhalb des 180-Grad-Bildes das Gefühl einer Live-Übertragung, wie wir sie aus dem Fernsehen kennen, zu erzeugen. Mittlerweile hängen bundesweit bereits fast 200 Kameras in Stadien und an Fußballplätzen.

Das Spannende: Ursprünglich war soccerwatch ein gefördertes Projekt von Studierenden unseres Aufsichtsratsvorsitzenden Dr. Volker Gruhn. Da viele von uns fußballbegeistert sind und wir schnell die geschäftlichen Chancen gesehen haben, haben wir beschlossen, zu investieren und haben daraus ein eigenes Start-up gemacht.

Viele Menschen haben ja in Bezug auf Digitalisierung und KI noch große Berührungsängste. Findest Du diese Ängste berechtigt?

Ich kann solche Ängste vor dem Hintergrund des aktuellen Hypes nachvollziehen. Persönlich habe ich vor bedrohlichen Science-Fiction-Szenarien, die immer wieder mal in den Medien auftauchen, allerdings keine Angst. Wir erleben ja aktuell nicht nur die Möglichkeiten der künstlichen Intelligenzen sondern auch deren Grenzen. Sicher verändert KI gerade unseren Blickwinkel. Für uns bei adesso sogar erheblich. Und zwar auf die Art und Weise, wie wir Softwaresysteme entwickeln. Aber vor der künstlichen ist weiterhin die menschliche Intelligenz gefragt.

In der Arbeitswelt werden eher repetitive Aufgaben automatisiert, die die wenigsten Menschen gern machen. Das finde ich in Zeiten von Fachkräftemangel und rückläufiger Bevölkerungsentwicklung erst mal gar nicht schlimm. Es führt ja dazu, dass wir Routinen, die heute noch von Menschen gemacht werden, an Maschinen delegieren werden.

Pflegeroboter könnten Menschen zum Beispiel eben jene Aufgaben abnehmen, die diese Arbeit zu einem Knochenjob machen – nämlich im Akkord sehr schwere körperliche Arbeit zu verrichten. Wenn ich an einen Pflegeroboter denke, denke ich aber nicht zwangsläufig daran, dass alte Menschen keine Gesprächspartner mehr haben, weil der Roboter sämtliche Tätigkeiten übernimmt. Ich glaube eher, dass die Mitarbeiter in der Pflege wieder mehr Zeit haben, sich um eben diese sozialen und emotionalen Aspekte des Berufs zu kümmern. Ich glaube also eher an eine symbiotische Beziehung zwischen Menschen und KI als an eine konfliktionäre.

Allerdings ist das kein Selbstläufer: Grundsätzlich liegt der sinnvolle Einsatz von Technologie in der Verantwortung der Gesellschaft. Dass uns KIs aber in den nächsten 30 Jahren das Denken abnehmen, glaube ich schon aufgrund der technologischen Restriktion nicht.

Andreas, herzlichen Dank für Deine
Zeit und das Teilen Deiner Ansichten.